Wenn Affen jodeln, mag das erst einmal wie ein kurioser Gedanke wirken. Doch eine aktuelle Studie zeigt: Affen jodeln nicht nur – sie sind darin auch wesentlich talentierter als wir Menschen. Ihre besondere Kehlkopfanatomie und evolutionäre Anpassungen ermöglichen Tonwechsel und Oktavensprünge, die für uns schlicht unerreichbar sind.
Der Kehlkopf von Affen besitzt ein zusätzliches Paar Membranen über den Stimmlippen. Diese Membranen erzeugen sogenannte „Voice Breaks“ – blitzschnelle Frequenzwechsel zwischen hohen und tiefen Tönen. Wenn Affen jodeln, erreichen sie dadurch einen Tonumfang von bis zu vier Oktaven.
Zum Vergleich: Selbst geübte menschliche Jodler schaffen oft nur eine Oktave. Die instabilen Vibrationen der Affenstimme wären für Sprache ungeeignet – beim Jodeln hingegen sorgen sie für ein beeindruckendes Klangspektrum.
Nicht alle Affen jodeln gleich gut. Besonders vier Arten aus Lateinamerika gelten als wahre Jodel-Meister:
Peruanische Klammeraffen (Ateles chamek):
Diese Affen erreichen einen Tonumfang von bis zu vier Oktaven. Ihre Membranen ermöglichen abrupte Tonsprünge und schnelle Frequenzwechsel – ideal zum Jodeln.
Schwarze und Goldene Brüllaffen (Alouatta caraya):
Bekannt für ihre lauten, tiefen Rufe. Die Kehlkopfmembranen verstärken ihre Stimmen, was besonders bei Reviermarkierung und sozialer Kommunikation hilfreich ist.
Kapuzineraffen (Sapajus apella):
Ihre Laute sind vielseitig und geprägt von ständigen Frequenzwechseln. Auch hier ist das Jodeln ein wichtiges Element der Gruppenkommunikation.
Totenkopfäffchen (Saimiri boliviensis):
Diese kleinen Akrobaten erzeugen leise, aber variantenreiche Töne mit beeindruckenden Sprüngen in der Tonhöhe.
Im Laufe der Evolution hat der Mensch seine Kehlkopfmembranen verloren. Dafür wurde die Stimme stabiler – was für Sprache wichtig war. Affen dagegen behielten ihre Membranen. Daher können Affen jodeln, wir aber nicht.
Diese Anpassung verschaffte ihnen einen Vorteil in ihrer natürlichen Umgebung. In dichten Regenwäldern helfen die lauten, variantenreichen Jodelrufe dabei, über weite Distanzen zu kommunizieren.
In einem Schutzreservat in Bolivien analysierten Forscher die Laute von Neuweltaffen. Sie nutzten Mikrofone, Sensoren und Computermodelle. Zusätzlich wurden Kehlköpfe verstorbener Tiere anatomisch untersucht.
Spannend: Wird der Affenruf verlangsamt abgespielt, klingt er wie ein Tarzan-Schrei. So zeigt sich, dass Affen jodeln – nur für menschliche Ohren meist zu schnell, um es direkt zu erkennen.
Auch wenn die Forschung noch nicht alle Details kennt, liegt eine Funktion klar auf der Hand: Affen jodeln, um gehört zu werden. In Gruppen und bei dichter Vegetation helfen diese Signale dabei, Artgenossen zu finden, Reviere zu markieren und soziale Bindungen zu stärken.
Aspekt | Affen | Menschen |
---|---|---|
Tonumfang | Bis zu 4 Oktaven | Etwa 1 Oktave |
Stimmlippen | Zusätzliche Membranen vorhanden | Keine zusätzlichen Membranen |
Stimmstabilität | Instabil, ideal zum Jodeln | Stabil, ideal für Sprache |
Evolutionärer Fokus | Akustische Vielfalt | Sprachentwicklung |
Die stimmliche Vielfalt dieser Tiere zeigt, wie unterschiedlich sich Arten entwickeln können. Während der Mensch mit Sprache glänzt, können Affen jodeln wie keine andere Spezies. Vor allem die Peruanischen Klammeraffen setzen Maßstäbe, gefolgt von Brüllaffen, Kapuzinern und Totenkopfäffchen.
Wenn du das nächste Mal durch den Dschungel wanderst und etwas hörst, das wie ein Jodler klingt – vielleicht ist es ein Affe, der sein Revier markiert!